Bei Hochwasser alleine auf einer Sandinsel. Kein Baum, kein Schiff, nur tausende Vögel und das Meer

Vorgestern war es wieder soweit. Endlich! Unsere Vogelzählung auf dem Japsand hat stattgefunden. Für mich eines der Highlights, besonders jetzt in der Zugvogelzeit. Die Vögel werden immer zur Springtide gezählt, das ist alle 2 Wochen, dann wenn das Wasser am Höchsten steht. Man spricht hier von einer Springtidenzählung.
Jetzt zur Zugvogelzeit kommen zwischen 10 und 12 Millionen Zugvögel ins Wattenmeer um eine Pause einzulegen und sich den Magen vollzuschlagen. Eine Pause haben die Vögel auch nötig, denn sie kommen aus dem hohen Norden Skandinaviens, Islands oder auch Sibiriens und fliegen weiter in ihre Winterquartiere nach Südeuropa oder Afrika.

Aber jetzt mal von vorne. Wie lief der Tag nochmal? Achja, ich werde wach, gucke auf den Wecker und  sehe, dass es viel zu früh ist. 7:30 Uhr, drücke noch einmal auf schlummern. Okay, 7:39 Uhr jetzt ist es aber soweit, ich muss einfach hoch, gebe mir einen Ruck und stehe auf. Trotte langsam ins Bad und schlage mir einen Schlag kaltes Wasser ins Gesicht, schon besser. Aber was ist noch besser am Morgen? Richtig, ein frisch aufgebrühter Kaffee. Also hole ich mir ein paar Kaffeebohnen aus dem Regal, schmeiße sie in die Kaffeemühle und versuche vor lauter Müdigkeit nicht am Drehknauf der Kaffeemühle hängen zu bleiben. Geschafft, der Kaffee ist gemahlen und ich gebe ihn in den Filter und lasse warmes Wasser durchlaufen. Fix ein paar Brote geschmiert, ein paar fürs Frühstück und ein paar für die anschließende Japsandzählung. Der Kaffee tut gut und weckt die Gemüter. So Frühstück vorbei. Jetzt packe ich meinen Rucksack und suche mir die Dinge zusammen, die ich auf jeden Fall für die Zählung brauche. Ich brauche:

Weiterlesen

Wat is‘ dat im Watt?

Da ist man fast jeden Tag im Watt unterwegs, und das jetzt auch schon seit knapp 2 Monaten, und nie sieht man das Gleiche. Das Watt verändert Tag für Tag sein Gesicht, nein doch nicht, Alle 6 Stunden verändert es sich. Geprägt von den Gezeiten, Ebbe und Flut. Nicht nur, dass das Watt Tag für Tag immer wieder anders ausschaut, jeden Tag finde ich etwas neues im Watt. Angefangen beiden vielen Muscheln, die es an der gesamten Küste gibt, bis hin zu Kuriositäten, die eigentlich nicht an der Küste zu finden sind.

Bei meiner letzten Zählung auf unserem Außensand, dem Japsand, habe ich viele Dinge gefunden, die sonst eigentlich nicht auf dem Japsand zu finden sind. Natürlich, die ein oder andere Flaschenpost ist auch einmal dabei , aber das ist eher selten der Fall. Vielmehr findet man all das, was auf dem Meer einmal über Bord gegangen ist oder beim letzten Strandbesuch liegen gelassen worden ist. Ob absichtlich oder nicht, das lassen wir jetzt einmal dahingestellt.

Meine Favoriten von letzter Woche findet ihr hier.:

Ein LKW-Reifen im Watt

1. Ein LKW-Reifen der im Spülsaum lag. Mehrere Kilogramm schwer und bestimmt nicht von alleine auf den Japsand gekommen. Nicht, dass wir in nächster Zeit noch mehr Reste eines LKW’s auf dem Japsand finden.

2. Ein Kehrblech, das das Ende seiner Arbeit noch lange nicht gefunden hat, denn hier auf dem Sand gibt es jede Menge Sand, denn es wegzukehren hat. Den dazugehörigen Besen konnte ich leider nicht ausfindig machen.

Ein Kehrblech

3. Eine Kokosnuss
Eine Kokosnuss, wie cool ist das denn bitte? Die ist bestimmt aus der Südsee und nach in die Nordsee geschwommen. Naja knapp verfehlt, wahrscheinlich stammt sie von einem Schiff und ist dort über Bord gegangen. Aber der Gedanke, dass sie wirklich aus der Südsee bis zu uns geschwommen ist, gefällt mir doch um einiges besser.

Weiterlesen

Teambuilding

Jetzt ist es soweit, unsere VorgängerInnen sind alle weg und wir „Neuen‘ übernehmen das Zepter. Wir? Ja, ganz alleine bin ich hier nicht auf Hooge, denn wir sind im Stammteam 5 Freiwillige und werden weiterhin in der Saison von Praktikanten unterstützt.
Jetzt wo wir alleine sind und nichtmehr unserer Vorgänger fragen können, „Sagmal wie war das noch mit XY? Wo steht dies und das? Wann fährt noch einmal die Fähre?“ zeigt sich, was wir auf unseren Seminaren und in der Einarbeitungszeit gelernt haben. Doch ganz allein sind wir damit nicht, denn wir haben immer noch noch den anderen Michael, unseren Hauptamtlichen Stationsleiter, an unserer Seite, den wir fragen können.
Es ist schon schade, dass unsere VorgängerInnen jetzt alle weg sind, denn es hat sich eine Freundschaft zu diesen aufgebaut und sie lieb gewonnen. Doch es ist auch so komisch es klingt, schön, denn jetzt sind wir die, auf die es ankommt und können unserer Arbeit frei gestalten. Und, wir haben jetzt alle unsere eigenen Zimmer. Vorher ist es so gewesen, dass wir für einen Monat mit 2-3 Leuten in einem Zimmer geschlafen haben und und nun hat jeder seinen eigenen Rückzugsraum, den er oder sie sich selbst einrichten kann.

best team in town

Die letzten Vorgängerinnen sind Donnerstag gefahren, da stelle ich mir dir Frage, wie ich mich wohl in einem Jahr fühlen werde, wenn ich die Hallig (fürs Erste) verlassen werde?

Weiterlesen

Auszeit am Deich

Jetzt bin ich schon seit 2 Monaten auf Hooge und ich muss sagen, Hooge lässt mich nichtmehr los. Eine kleine eigene Welt, faszinierend und beeindruckend zugleich. Am vergangenem Wochenende habe ich aus meiner Heimat Besuch bekommen und deren Aussage am ersten Abend war „Hier ist ja absolut garnichts“. Richtig! Und genau das ist es was ich an Hooge zu lieben gelernt habe. Man wird nicht von allen Seiten reizüberflutet, denn man hört keinen lästigen Verkehr, hat keine große Zeitnot, kein Handy, auf das man andauernd schaut. Nur die Natur und ich.

Strandkörbe am Landsende

Und genau das ist es was ich heute wiederholt zu schätzen gelernt habe. Ich laufe am Deich entlang, einmal um die Hallig herum und stelle immer wieder fest, wie ich selbst herunterfahre und völlig entspanne. Setze mich in einen freien Strandkorb und lasse die Seele baumeln, schaue den Vögeln bei der Nahrungssuche zu, höre dem Wind bei seinem Tanz um meine Ohren zu und genieße.
Und dann gehe ich nach einer Weile, ich gebe zu, ich habe die Zeit vergessen, weiter und bemerke wie die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet. Es scheint als würde sie tausende Farben in den Abendhimmel hinaussenden. Ich genieße und versuche das was ich sehe festzuhalten. Ungestört von anderen Lichtquellen, einzig allein die untergehende Sonne, die noch einmal ihre ganze Energie in die letzten Sonnenstrahlen steckt.

Kirchwarft bei Sonnenuntergang

Die Abschlussworte meines Besuches:“Irgendwie ist dieses nichts auch schön. Ich komme wieder!“

Weiterlesen

Angekommen auf Hallig Hooge

Mittlerweile bin ich schon 5 Wochen auf Hallig Hooge, 5 verdammt kurze Wochen. Mir kommt es so vor, als wäre ich erst gestern mit der Hilligenlei von Schlüttsiel aus hier angekommen.

Doch was war ganz am Anfang? Ganz am Anfang stellten sich mir viele Fragen: Wie wird es wohl auf der Hallig sein? Wie wird mein neues Team sein? Wie wird mein Chef? Wie sind die Leute, die auf der Hallig wohnen? Was nehme ich alles mit auf die Hallig?
Fragen über Fragen, aber eigentlich habe ich mich etwas unnötig verrückt gemacht. Vieles gibt sich von allein, aber manche Fragen bleiben auch weiterhin offen. Zum Beispiel ob ich das, was ich an Kleidung mitgenommen habe, auch im Winter reichen wird, dann wenn der ‚blanke Hans‘ einem ordentlich um die Nase weht. Wenn aber etwas fehlt, dann kann man es glücklicherweise mit der Post nachschicken lassen. Und naja, was soll ich sagen, mir fallen jetzt schon Dinge ein, die ich nicht an einer Hand abzählen kann, die mir fehlen, Impfausweis, ein anderes Objektiv für meine Kamera usw..

Ein erstes Resultat kann ich jetzt nach 5 Wochen auch ziehen. Die Hallig entschleunigt! Wenn man mal sein Handy zu Hause in der WG lässt und sich in einen der Strandkörbe setzt, dann hört man das Meeresrauschen, ein paar Vögel am Horizont rufen, aber sonst hört man nichts anderes. Keine Autos, bzw. Autofahrer die gestresst über die Asphaltpiste rasen, keine Handyklingeltöne, alles geht deutlich langsamer vonstatten. Und wenn der Kaufmann dann auch mal eine Ware nicht mehr im Regal hat, ok, dann wartet man bis zur nächsten Lieferung in zwei Tagen und begnügt sich mit anderen Leckereien, ist auch okay.

Wohlfühlort
Weiterlesen
1 10 11 12